Aktie von Leasing.99 im Aufwärtstrend

drucken zurück
Langzeitaktionäre der Leasing.99 haben einiges mitmachen müssen. Vor allem der Juni 2005 dürfte ihnen fest im Gedächtnis geblieben sein. Die Aktie, die bis dahin einen netten Aufwärtstrend hatte, beschleunigte ab Mai und erreichte am 13. Juni bei 83,60 Euro ein Allzeithoch - ein Traum, aus dem es eine Woche später bei 26,45 Euro ein allzu unsanftes Erwachen gab.

Danach hagelte es Kritik. Eine überhöhte Bewertung und vor allem eine zurückhaltende Investor-Relations-Arbeit wurde kritisiert. Was folgte, war das Einschwenken in einen Abwärtstrend, der die Notiz bis auf 14,30 Euro Ende September diesen Jahres nach unten führte. Dann folgte eine Kehrtwende. Innerhalb von knapp zehn Tagen verdoppelte sich der Kurs fast und erreichte schließlich am Freitag bei 34,80 Euro ein Sechs-Monats-Hoch.

Operatives Geschäft nimmt Formen an

Auch beim Unternehmen hat sich seitdem vieles verändert. Im August wurde erstmals ein Halbjahresbericht veröffentlicht und mit Wolfgang Oberst die Führungsetage um einen ausgewiesenen Leasingexperten ergänzt.

Vor allem aber nahm das operative Geschäft im ersten Halbjahr deutliche Formen an. So wurde im ersten Halbjahr 2006 ein Umsatz von 1,37 Millionen Euro verbucht, mehr als das Zwölffache wie im Jahr zuvor. Hinzu kamen 1,95 Millionen Euro an sonstigen betrieblichen Erträgen, die laut Vorstandsangaben aus der Einziehung eigener Aktien und der daraus folgenden Auflösung von Rücklagen resultierten.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit und das Reinergebnis waren indes leicht negativ. Grund waren vor allem hohe Abschreibungen, einerseits auf Vermögensgegenstände sowie auf die Aufwendungen für die Ingangsetzung des Geschäftsbetriebs, andererseits auf Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens.

Umsatz könnte 2006 leicht unter Plan liegen

Für das laufende Jahr hatte das Unternehmen im Juni bereits Planzahlen kommuniziert. Demnach sollte der Umsatz (einschließlich sonstiger betrieblicher Erträge) 6,417 Millionen Euro und das Ebitda 5,1 Millionen Euro erreichen.

Das wird man möglicherweise auf der Umsatzseite nicht ganz erreichen können, so Vorstand Norbert Bozon im Gespräch mit FAZ.NET. Das Ziel seien 1.000 Fahrzeug-Verträge im Jahr 2006 gewesen. Tatsächlich könnten es nur zwischen 900 und 1.000 werden mit einer Tendenz zum unteren Rand der Spanne, so Oberst.

Hintergrund sei die Tatsache, daß man bei den Verhandlungen mit potentiellen Kreditgebern Zeit verloren habe. Man habe um eine Finanzierung über Asset-Backed-Securities verhandelt, doch habe sich zum einen herausgestellt, daß die Unternehmensgröße nicht zu der Finanzierungsform paßte. Zum anderen habe sich die Zinsstruktur ungünstig entwickelt, so daß man nunmehr mit einer Finanzierung über den Verkauf von Forderungen besser fahre.

Indes werde man die Delle spätestens im kommenden Jahr ausbügeln und in die Ursprungsplanung zurückkehren. Auch sei noch möglich, daß es die Delle gar nicht erst gäbe. Dies aber hänge von einem schwebenden Geschäft mit einem Kooperationspartner ab.

Rasches Wachstum anvisiert

Auf der Ertragsseite werde man die Planung jedenfalls erreichen, weil man weitere Aktien der Autohandels-Tochter Autoportal.99 abgeben werde. Diese hat in diesem Jahr das operative Geschäft aufgenommen und wurde im Juni bereits an die Börse gebracht. Die Aktien wolle man marktschonend plazieren.

Geht es indes um die Bewertung der Aktie, so ist der Gewinn nach Ansicht von Bozon ohnehin eine eher weniger geeignete Größe. Das liege daran, daß Kosten und Erträge im Leasinggeschäft naturgemäß nicht zusammenfielen, so daß Neuakquise immer zulasten des Gewinns gehe.

Wesentlicher sei daher der nach der Methode des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen ermittelte Substanzwert, der in diesem Jahr über den 21 Millionen Euro des Vorjahres liegen soll.

Die Wachstumsaussichten der Leasing.99 sind durchaus nicht schlecht. Die Frage ist, was man als angemessenen Preis für die Aktie ansieht. Geht man vom Umsatz aus, so liegt die Marktkapitalisierung von Grenkeleasing derzeit ungefähr beim 3,8fachen des für 2006 erwarteten Umsatz. Bei Leasing.99 ist es deutlich mehr als das Fünffache, sonstige Erträge mitgerechnet.

Andererseits hat Leasing.99 dank des niedrigeren Ausgangsniveaus unbestritten das höhere Wachstumspotential. So soll der Umsatz 2007 um knapp zwei Drittel wachsen, bei Grenkeleasing um rund 14 Prozent. Für 2007 läge diese Kennzahl dann bei etwa 3,4 und damit sogar unter der bei Grenkeleasing.

Große Chancen - aber auch Risiken

Insofern ist die Frage an dieser Stelle, was man dem Unternehmen zutraut. Diese ist in den vergangenen Monaten deutlich darum bemüht, mehr Vertrauen zu schaffen - und hat es offenbar auch gefunden, wie die starke Kursentwicklung zeigt. Geht die Strategie des Unternehmens auf, sich als unabhängiger, flexibler und einzelfallorientierter Anbieter zwischen bankgebundenen und herstellergebundenen Leasingfirmen zu positionieren und so im Direktgeschäft deutlich schneller als der Markt zu wachsen, so könnte in der Aktie noch einiges drin sein.

Andererseits bergen Unternehmen im Anfangsstadium ihrer Entwicklung immer das Risiko, daß die Strategie eben nicht verfängt. Die ersten Anfangserfolge sind zwar vorhanden und der Grundstein für die zukünftige Entwicklung scheint gelegt, doch muß sich erst zeigen, in welchem Ausmaß der Markt auf das Geschäftsmodell einstiegt.

Der kurz- und mittelfristige Trend der Aktiennotiz zeigen wieder aufwärts, und auch der langfristige Trend orientiert sich wieder nach oben. Indes macht die Geschwindigkeit der Wende Kummer, weil sie zu Gewinnmitnahmen verlocken könnte und eine Unterstützung erst im Bereich von 25 Euro zu finden ist. Absicherungsstrategien können daher nicht schaden.


Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

@mho


Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

Zur Verfügung gestellt von:
F.A.Z.-Archiv